Die Sternenflaum-Geschichte | Kapitel 30

Die Sternenflaum-Geschichte | Kapitel 30

»Wir suchen in Büchern, Augen, in der Natur … nach vielem, nach allem  – doch manchmal genügt nur ein Wort … Diese Geschichte ist ein zauberhafter, berührender und inspirierender Dialog für alle, die fühlen, dass die erhofften Antworten aus dem inneren kommen und auch für alle, die diesem Gedanken Raum geben.« – Judith Eherer

Nur ein Wort

Manchmal genügt ein Wort. Ein Wort, irgendwo gehört, irgendwo gelesen. An der Kasse beim Einkaufen, im Zug, in einer Zeitung, einem Buch oder im Kino. Ganz gleich, wo und wie. Es ist nur ein Wort. Und in diesem Augenblick, diesem kurzen Augenblick, ist alles klar. Mannigfache Bilder sieht man plötzlich in seinem Inneren. Und man braucht nicht einmal die Augen dazu schließen. Die Bilder sind da, die Gefühle sind da. Zeitlos und grenzenlos. Man kennt die Wahrheit, in diesem Moment. Und dabei muss dieses Wort nicht einmal in einem direkten Zusammenhang mit der Erinnerung stehen. Man kann das Wort wieder vergessen, oder es gar nicht so bewusst wahrgenommen haben. Es hat etwas ausgelöst.

Liebe Fee, es ist interessant, deine Gedanken zu folgen. Magst du mir verraten, welches Wort sie ausgelöst hat?

Flaumi, schön, dass du da bist. Ja, ich teile das gerne mit dir, bestimmt hilft mir das, noch besser zu verstehen. Das Wort lautet: Jetzt.

Jetzt.

Genau, Flaumi, »Jetzt«. Ich fragte und träumte und schob Entscheidungen vor mich her. Dann las ich dieses Wort, einfach so, bei einem Spaziergang. Jetzt. Ich wusste die Antwort. Ich wusste, dass ich jetzt etwas tun muss, jetzt eine Entscheidung treffen darf und dass das okay ist.

Was hat dich dazu bewogen, es vorher nicht zu tun?

Angst. Ganz klar Angst. Hauptsächlich vor den möglichen Folgen. Mit der Zeit wurde die Angst größer und mächtiger und es schien, als käme ich nicht mehr von ihr los. Das Jetzt hat geholfen. Es war, als hätte mir jemand mit der Entscheidung geholfen. Es ist immer das Jetzt und es ändert alles.

Dann hast du nun keine Angst mehr?

Doch! Sehr. Mein Herz pocht wie wild! Dennoch, ich habe mich der Verantwortung gestellt, weil die Angst schon so groß war, die Folgen konnten gar nicht schlimmer sein. Außerdem habe ich mit diesem Wort »Jetzt« kapiert, dass ich nur aus dem Kreis herauskomme, wenn ich jetzt stehenbleibe und mich zur Seite wende, mir einen neuen Blickwinkel suche – und das geht immer nur jetzt. Ich kann nicht für gestern sehen und ich kann nicht nach morgen sehen, das sind Erinnerungen und Visionen, kein echter Blick.

Danke, liebste Fee. Du bist übrigens auch jetzt. Nicht nur was du erlebst, du selbst bist jetzt.

Das habe ich auch kürzlich gelesen. »I’m now.«, stand da. Ich konnte, ehrlich gesagt, nicht viel damit anfangen. Aber nun, in diesem Zusammenhang, danke Sternenflaum, wieder einmal.

Sehr gerne. Fee, sag, wie ist das, die Antwort plötzlich zu wissen?

Es fühlt sich klar an, ja, sie ist wirklich zu spüren, ohne einen Zweifel.

Dann konntest du für dich auch etwas ändern? Sodass du dich aus der Angst lösen konntest?

Schön wär’s. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die Angst ist immer noch da, wenn auch nicht mehr so mächtig. Die Antwort zu wissen ist wertvoll, doch was man damit macht, was ich damit mache, steht auf einem anderen Blatt. 

Ob dir die Antwort gefällt, wohl auch.

Ja, ganz genau. Das kommt noch hinzu. Das Jetzt hat mir auch nicht gefallen, ich wollte wegrennen, wollte weiter alles wegschieben, in der Hoffnung, dass es sich von Zauberhand selbst erledigt. 

Tat es nicht.

Nein, natürlich nicht. Obwohl das schonmal vorkam, vielleicht deshalb die leise Hoffnung …

Das ist ja auch in Ordnung, nur wenn es sich zu lange hinzieht, wird es zu einem Problem, ja?

Das stimmt. Das »Jetzt« ist schon ein guter Problemlöser, vielleicht sogar so gut, dass ein Problem gar nicht erst entsteht, dass es vielmehr eine Herausforderung ist.

Dein »Jetzt« ist ein gutes Wort, eine hilfreiche Antwort.

Ja, Sternenflaum, auch wenn sie mir nicht unbedingt gefällt, zu fragen brauche ich nun nicht mehr.

Sternenflaum ist eine Fortsetzungsgeschichte.
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