Gedanken zum 4. Advent

Gedanken zum 4. Advent

Mit diesem Beitrag schließt sich der Kreis dieser Mini-Serie. Gedanken zum 4. Advent sind auch Gedanken zum Jahresende und zum Leben an sich …

Dieser Sonntag vor Weihnachten, auch noch vor der Wintersonnenwende, bringt mit dem Licht der vier Kerzen eine Symbolik, die ich auch sonst wahrnehme: Wir können es nicht erwarten. 

Am 21.12.2021 ist laut jetzigem Kalender die Wintersonnenwende. Die tiefste und längste Nacht des Jahres. Alles bewegt sich auf diese Dunkelheit zu und wir wollen das nicht, wir zünden Kerzen an und machen Lichter überall. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür. Dieser alte Kinderreim zeigt ganz gut, wie wir das handhaben, mit der Erwartung.

Dabei ist es ein natürlicher Kreislauf. Ab dem 22.ten wird es wieder von ganz allein heller, Tag für Tag. Nach dem derzeitigen Kalender ist das der 25.12.2021. Das ist sehr verwirrend, aber es gab nun mal schon viele Zeitrechnungen und -erfassungen.

Judith Eherer - feelingwords

Wir könnten hineinspüren.

Eine Rückkehr zu unserem Fühlen, unserer Gabe der feinen Wahrnehmung. Es klingt utopisch, obwohl es in unserem Ursprung liegt. Rituale und Gebräuche der Ahnen wurden abgelöst von Traditionen, an die man sich zu halten hat, dem Frieden willen.

Es will niemand hören, dass die »Christi Geburt« erst im 4. Jahrhundert nach Christus auf den 24. Dezember gelegt wurde. Niemand kennt den wahren Geburtstag. Es wurde das Lichtfest gewählt, das Licht kommt zurück, ein perfekter Zeitpunkt für die Geburt von Gottes Sohn. Klug gewählt und es ist auch wirklich ein guter Tag für ein Fest, war es wohl schon immer. 

Ich wünschte mir, dass die Menschen an diesem Tag nicht in Familienstreitigkeiten wegen Geschenken oder Pünktlichkeit oder Sauberkeit oder Dekoration oder Fisch, Fleisch, Gemüse streiten würden, sondern die Wandlung feierten. 

Die Wandlung der Dunkelheit ins Licht.

Auch sinnbildlich können wir das gut gebrauchen. Wir hoffen so sehr, dass alles wieder gut wird, dabei könnten wir vertrauen haben, vertrauen ins Leben, welches, wie die Natur, immer wieder von Dunkel zu Hell wird.

Zurück zum Licht. 

Diese Gedanken und Worte berühren und bringen mich zum Weinen. Die Art von Tränen, für die es keine Worte gibt. Tränen, die nicht äußerlich sichtbar, nicht körperlich spürbar sind. 

Diese Zeiten, gepaart mit dem Winter, der kurzen Tage und langen Nächte, der Kälte und den beißenden Winden, es ist schwer, sie einfach anzunehmen, zu sagen, das ist jetzt die Zeit, die Zeitqualität und sie ändert sich wieder. Ja, ich spüre das natürlich auch und ja, ich zünde ebenfalls Kerzen an, mache Licht, halte die Dunkelheit nicht einfach aus.

Gedanken zum 4. Advent

Diese Mini-Serie hat sich ergeben, sie war nicht geplant. Als ich den ersten Beitrag schrieb, dachte ich mir noch »wenn ich sie dem ersten Advent widme, muss ich auch für die anderen Adventsonntage Beiträge schreiben«. Nun, mir wird schon was einfallen, vertraute ich mir einfach so. Ich schreibe viel und meist ergibt sich ein Text, den ich vorher nicht einmal ahnte.

Der 4. Advent ist auch ein guter Tag, um das alte Jahr Revue passieren zu lassen. Eben noch vor der Sonnwende, wenn alles wieder neu beginnt. Wir feiern das zu Silvester, was ich ehrlich gesagt, nicht verstehe. Es ist der Namenstag eines Bischofs der zu einem Zeitrechnungstag wurde. Wir vergeben ein neues Datum, eine neue Zahl und das feiern wir dann. Finde nur ich das seltsam? Ich möchte lieber den Tag der Sonnwende feiern und die Zeiten des Übergangs, des Wandels. Zudem, wäre es als Neubeginn nicht passender, den Namenstag einer Frau zu feiern? Die Geburt, die Frau, wurde geändert in die Schöpfung, der Mann. Tja.

Gedanken. Hinterfragend, achtsam, bewusst und immer bewusster werdend. Auch hier sind wir in der Wandlung. Noch still, denn es ist immer noch Winter. Das laute krachen und feiern passt für mich nicht in diese Zeit. Mit den Böllern die vergangenen Geister verjagen klingt dabei auch nicht besser. 

Ich fürchte mich nicht vor Geistern.

Manchmal denke ich, ist in mir einiges von dem ganz alten mehr präsent, als das An- und Umerzogene seit gut 2000 Jahren. Ich fühle mich alten Gebräuchen und Erklärungen viel näher.

Wir tragen alle Schatten in uns und mit der Sonnwende können wir Licht in uns bringen. Die Zeit nutzen, um uns anzusehen, wer wir sind, welche Entscheidungen wir getroffen haben, welches Verhalten wir zeigten, wie wir lebten, das Jahr über, mit uns selbst, der Familie und allen.

Lieber wird mit Krach alles gelöscht und mit viel Hoffnung ins Neue gestartet. Dabei sehen wir doch, wie wenig das nützt. Wir könnten auch mal mutig nach innen lauschen, Antworten suchen und Lösungen erforschen. Oder das neue Licht nutzen, um wieder auf uns zuzugehen, mit Respekt und Anstand, mit Neugierde und dem Vertrauen, dass alles weitergeht, sich das Leben weiterlebt und wir nicht ohnmächtiger Teil davon sind, der einfach mitgeschliffen wird. Wir könnten uns mit dem Licht aus der Dunkelheit der Gedanken befreien. Der wütenden und lauten und rechthaberischen Gedanken.

Wir könnten uns den friedvollen, inspirierenden und wärmenden Gedanken lichtvoll zuwenden.

Licht hilft bei Angst.

Das Licht kommt zurück.

Immer wieder.

Es ist möglich, dass dies der letzte Beitrag in diesem Jahr war. Er fühlt sich gut an, ein schöner Abschlusstext. Obwohl ich noch einen Jahresrückblick schreibe, denn in diesem Jahr ist auch viel Schönes geschehen. Je nach Energie beim Schreiben könnten es auch Worte für das Neujahr sein. Ja, für das neue Jahr habe ich Träume und Wünsche und Visionen und auch Vertrauen. Einiges ist schon in Vorbereitung, wartet auf den Frühling …

Es geht weiter mit den »feelingwords«, auch mit der Sternenflaum-Geschichte und dem feelingwords-Shop. Neue Designs werden kommen und auch für Instagram habe ich mir Neues überlegt …

Jetzt ist aber erstmal noch Ruhe angesagt. Wir sind noch in der Dunkelzeit, auch wenn mich gerade die Sonne neckt, weil sie so schön tief stehend in die Wohnung blinzelt. 

Denn das dürfen wir nicht vergessen: Es ist nicht nur dunkel. Es ist auch Tag und es scheint auch mal die Sonne sichtbar. Weniger als sonst im Jahr, okay, doch sie ist da. 

Genießen wir das Sonnenlicht und lassen wir uns erinnern, an unser Licht im Inneren. Unser Seelenlicht leuchtet stets, es wärmt und leitet uns, wenn wir es denn lassen.

So wünsche ich dir und allen Licht im Herzen und Sonne im Gemüt, eine besinnliche Zeit und inneren Frieden

Judith