Gedanken zum 2. Advent

Wo man hinsieht, Licht(er) und Liebe. Na ja, zumindest den Worten nach. Auf Plakaten und Instagram-Posts. Herzchen in den Storys und hach, es ist Advent (…)

Wo man hinsieht, Licht(er) und Liebe. Na ja, zumindest den Worten nach. Auf Plakaten und Instagram-Posts. Herzchen in den Storys und hach, es ist Advent. Familie, Freunde, Nachbarn, alle haben sich lieb. Wie jedes Jahr um diese Zeit, zumindest online und auf Social Media. Selbstliebe-Selfies sind auch hoch im Kurs. Klingt das verbittert? Sorry, ist es nicht. Es ist mehr die Sehnsucht danach, dass das alles auch mal wahr sein könnte. 

Menschen werden sehr schnell zu Feinden, das erleben wir gerade wieder und wundern uns, wie das sein kann und wie es doch schon so oft in der Geschichte war. 

Wir sind der Angst näher als der Liebe. Wir nennen es sogar Sorge und denken, auch sie wäre Liebe. 

Natürlich!, wirst du vielleicht denken, ich sorge mich um jene, die ich liebe, das ist doch normal! Und darüber streiten auch? Was sich liebt, das neckt sich, heißt es, und macht somit auch das Streiten zur Liebe. 

Seht ihr, wie viel Sehnsucht wir haben?

Mit dem zweiten Adventlicht wünsche ich mir, dass zumindest jeder Mensch einen Augenblick innehält, den Groll, die Wut, die andere Meinung, die Angst in einem Atemzug auf Pause stellt, dafür die Hand auf sein Herz legt und die andere dem Gegenüber reicht. Wir können nicht Liebe fordern, ohne sie auch zu geben oder bereit dafür zu sein. 

Wir können nicht lärmen und schreien und unser Recht einfordern und gleichzeitig erwarten, dass wir dafür auch noch geliebt werden. 

Denn das Paradoxe dabei ist, DASS wir trotz allem geliebt werden. Wir sehen es nur nicht, sehen nicht hin, weil wir vielleicht etwas anderes sehen wollen. 

Irgendwas aus dem Fernsehen oder aus Herzschmerz-Romanen. Die schnurrende Katze, die definitiv die Liebe schlechthin ist, wird nicht anerkannt. Das Enkelkind, das am anderen Ende des Sofas darauf wartet, dass das Streiten ein Ende hat und Opa Zeit zum Spielen. Die Blume am Fenster, die nach langem wieder einmal blüht. Die Nachbarin, die schüchtern winkt und in Gedanken schon Tee für den feschen alten Herrn in ihr feines Service schenkt. Die junge Frau, die in der Kirche singt, als kämen alle Töne direkt aus ihrem Herzen – ja, auch sie liebt dich, selbst wenn sie dich nicht kennt. Würde sie nicht Liebe für das Leben empfinden, könnte sie niemals so berührend singen.

Und das Leben, das bist auch du, das bist gerade du. Ohne dich gibt es dein Leben nicht. >> lies das nochmal bitte.

Einen Wunsch an den zweiten Advent habe ich noch: könnte sich bitte jeder wütende Mensch nur ein einziges Mal fragen, ob Liebe tatsächlich davon abhängt, recht zu bekommen?

Liebst du mich nur, wenn ich deiner Meinung bin?

Ich denke an frühere Freundschaften, an Menschen, deren Kontakt schon lange nicht mehr besteht. Dabei könnte ich mich an Geschichten erinnern, gemeinsam erlebtes und an Streit und Verletzung vielleicht. Doch ich könnte auch Liebe fühlen und Dankbarkeit. Wir waren doch mal Freunde. 

Das heißt nicht, dass wieder etwas neu begonnen oder aufgewärmt werden muss, manches geht und es ist gut so. Es heißt vielmehr: Vergebung. Ich gebe Frieden. Ich gebe Frieden. Vergebung meint nicht vergessen und ungeschehen. Vergebung ist auch kein Freischein für neue Verletzungen. Vergebung meint Frieden geben.

Vergebung heißt: ich gebe Frieden. Ich gebe Frieden in diese Angelegenheit.

Winterrosen. Fotografiert im Dezember 2021 in Wien. Wunderschöne, satte Farbe und dennoch irgendwie fehl am Platz um diese Jahreszeit. So, als konnten sie nicht gehen, als würde der Wandel dieses Jahr ohne sie stattfinden. Wider die Natur, nicht wahr? Auch wir sind Teil dessen, auch wir werden statt bunt und schön, grau und traurig, wenn wir uns dem Wandel widersetzen. Vergebung ist Wandel. Für viele ist es das.

Frieden ist ein ebenso warmes und wundervolles Gefühl, wie Liebe. In Frieden sein, inneren Frieden fühlen. Im Leben, nicht erst im Tod, wie es bei manchen Religionen heißt »Ruhe in Frieden«. LEBE in Frieden – mit dir selbst.

In diesem Sinne, einen feinen zweiten Advent, achte auf dich, mach es dir schön und gemütlich. Kerzen, Tee, Kuscheldecke, Musik und ein Lächeln.

Judith

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»feelingwords sind Mindset-Poesie und gerne Inspiration und Begleitung. Mit meinen Gedanken, Gedichten & der Sternenflaum-Geschichte möchte ich dir zeigen, dass Fühlen wertvoll und ein feiner Kompass durchs Leben ist.« Judith Eherer

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