Die Aber-Erfindungsmaschinerie

In diesem Beitrag erzähle ich dir, wie sich die Aber-Erfindungsmaschinerie im Kopf positiv nutzen lässt, ohne einen zu blockieren.

Aber dazu bist du nicht gut genug. Aber was ist, wenn es nicht funktioniert? Aber was machst du wenn …? Aber dafür brauchst du noch … Aber das reicht bestimmt nicht, aber was, aber wenn …

Bist du auch so eine Aber-Erfindungsmaschine? Scheinbar ohne Ende ploppen die Abers aus den Gedanken auf. Kaum ein Satz, eine Idee, ein Impuls, der nicht sofort mit einem Aber bedacht wird.

Zu wissen, dass Gefühle das Wort „Aber“ nicht kennen, hilft in diesen Situationen auch nicht wirklich.

Denn, dass wir unserem Fühlen und unserer Intuition vertrauen können, haben wir schon oft gehört und bestimmt auch schon erlebt und selbst erfahren.

Wenn allerdings die Aber-Erfindungsmaschinerie anspringt, sind wir vom Fühlen weit entfernt. Es ist, als wäre das ein Film im Kino und dieses ist in der nächsten Stadt. Wir sind aber hier und das ist echt und wir sind nicht pessimistisch, sondern realistisch, denn es ist doch so … Sicher. Die Gedanken haben immer recht. Wenn nicht gleich, dann irgendwann. 

Die Frage ist dabei: wollen wir das? Wollen wir uns von dieser Idee, diesem Projekt, diesem Abenteuer … von den Gedanken abhalten lassen oder wollen wir lieber den Gedanken ebenso vertrauen wie unseren Gefühlen? Denn dann dürfen die Gedanken uns dienen, sie dürfen uns begleiten auf diesem Weg. Es ist gut zu wissen, dass die Gedanken funktionieren, dass sie Gründe liefern, denn wenn sie „Abers“ produzieren können, schaffen sie auch noch weit mehr. 

Gestern merkte ich in einem Gespräch, dass ich den Abers müde geworden bin. Denn zur Genüge habe ich mich ihnen schon gewidmet und sie allesamt auffliegen lassen. Abers sind maskierte Gedanken, die sich als Gefühle ausgeben. Sie tun so, als würden wir sie spüren, sie tun so, als wären sie überlebenswichtig, sie tun so, als wären sie unser Schutz vor Gefahren. In Wirklichkeit sind sie dennoch nur Gedanken. 

Gedanken wollen gedacht und gehört werden. Gefühle wollen gefühlt und gelebt werden.

Die Aber-Erfindungsmaschinerie ist ein sehr ausgeklügeltes System. Fast scheint es, als wäre es eine Art Perpetuum Mobile. Ein Aber folgt auf das nächste, ohne Ende, sich selbst Energie speisend. Ein Aber nährt das nächste … doch auch das stimmt so nicht, es ist einfach nur ein guter Verkäufer. Unsere Gedanken sind sehr gute Verkäufer (an uns selbst). 

Die Maschine stoppt sofort mit einem Okay.

Sag einfach okay.

Sag, okay, es ist gut, ich habe dich (mich) gehört.

„Aber du kannst das doch gar nicht“, stimmt, doch ich kann es lernen. „Aber du könntest scheitern und dann mag dich niemand mehr und deine Familie muss sich für dich schämen“, okay, ich könnte scheitern, das stimmt. Doch es stimmt nicht, dass mich dann niemand mehr mag. Ich habe Freunde, die mich stärken, trösten und geduldig mit mir sind. Meine Familie wird sich nicht für mich schämen, sondern stolz sein, weil ich mutig war, weil ich etwas probiert habe. „Aber deine Familie hat Angst um dich.“ Sicher, weil sie mich gernhaben, weil sie nicht wollen, dass mir etwas zustößt, was allerdings nicht heißt, dass sie mich im Stich lassen, wenn doch etwas passiert. Ganz im Gegenteil.

„Aber wie kannst du dir da sicher sein?“ Schau, selbst wenn da wirklich niemand wäre, niemand mehr wäre, könnte ich immer noch zu einem Arzt gehen, zu einer Therapeutin, mich ans Telefon setzen und einer dieser Notnummern anrufen, ich könnte mich auch in eine Kirche setzen (falls das ein gutes Gefühl gibt) … oder zu einem Tierheim gehen und einen Hund Gassi führen. Vielleicht haben Eltern mal ausgesprochen, dass sie nicht für einen da wären, wenn. Doch ich glaube, das wird nur gesagt, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Gefühle ausdrücken sollen, weil sie nicht wissen, wie sie für einen da sein sollen, ohne einem im Finden des eigenen Weges zu blockieren. 

Ein Vogel lernt das Fliegen nicht im Nest. 

Den Abers müde sein heißt in meinem Fall auch, dass ich ihnen nicht weiter nachgehen will. Ich habe in meinem Leben so einige Abenteuer durchgestanden, Ideen um- und in den Sand gesetzt, ich weiß, dass ich auch ohne die Abers klarkomme. Wenn nun also eines daherkommt, okay, dann überprüfe ich meine Idee, Plan, Impuls nochmal. 

Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass ich manches nur verfolge, weil meine Gedanken es mir suggerieren und nicht weil ich es wirklich will. Ein Workshop mit 10 Teilnehmer:innen, 8 davon sind mit dem Ergebnis weitergegangen und bereits erfolgreich. Ich gehöre nicht zu dazu. Alles drängt es denen gleichzutun, auch erfolgreich zu werden, auch das Gelernte umzusetzen. Die Aber-Erfindungsmaschinerie ist dabei in vollem Gang. Aber dazu tust du zu wenig, aber dafür müsstest du noch, aber … Seit Tagen, Wochen oder gar Monaten. Irgendwann gesellt sich noch die Scham dazu. 

Doch was wäre, wenn 8 von den 10 nicht weitergemacht hätten? Wenn sie andere Wege eingeschlagen hätten, unterstützt durch das neue Wissen? Wenn also nur eine von den 10 Personen daraus ein erfolgreiches neues Business (oder was auch immer) gemacht hätte? Wäre dann immer noch das drängende Gefühl in mir, selbst damit erfolgreich zu werden?

In diesem Fall merkte ich, nein, ich verfolge den Plan nur, weil ich mich getriggert fühle durch den Erfolg der anderen.

Den Blickwinkel zu ändern, die Fragestellung, hilft schnell zu erkennen, welcher Impuls tatsächlich aus mir kommt. Mit dieser Umkehr kann ich herausfinden, was ich wirklich will oder was ich glaube zu wollen.

Die Aber-Maschine steht auf Standby und wenn sie anspringt, drücke ich OK. Dann geht sie wieder in den Standby-Modus. Ihre Abers spukt sie dann nicht mehr aus. 

Was wollte ich nicht schon alles UNBEDINGT! Heute, wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, wollte ich oft ganz etwas anderes. Die Aber-Maschine war dann tatsächlich eine Art Schutz. Leider einer, der Zeit, Nerven und Energie raubt. 

Kennt ihr die Straßenmaler, diese wunderbaren Künstler, die in 3-D Szenen auf den Weg malen, die wie echt aussehen? Da ist dann plötzlich ein Loch auf der Straße oder eine Brücke. Ich habe Videos gesehen, wo selbst Hunde auf die Bilder hereingefallen sind. Sie hüpfen über das gemalte Loch. Eine Katze allerdings spazierte gemächlich darüber. Sie hat den Betrug erkannt. Die Aber-Maschine erschafft auch 3-D-Kunstwerke. Realistisch täuschend echt. Sicherheit. Sicherheit. Aber Sicherheit. 

Wir wissen, dass es Sicherheit nicht gibt. (Mehr dazu bald in der Sternenflaum-Geschichte) Dennoch lassen wir uns täuschen, hüpfen auch über das gemalte Loch. Bis, ja bis wir es merken. Dann sehen wir plötzlich klar, sehen die Illusion und wir können sagen: okay, danke.

Okay, danke.

Ein anderes Beispiel noch: Wenn die Aber-Erfindungsmaschine anspringt und Gedanken ausspuckt wie: Dazu brauchst du noch weitere Ausbildungen, dafür bist du nicht gut genug, da gibt es schon andere, die das weit besser machen etc., können wir auch einfach nur OKAY sagen.

Denn es kann ja stimmen. Dennoch muss dies alles einen nicht blockieren oder aufhalten. Mit OK stoppen diese Gedanken. Hallo Gedanken, wenn ihr nicht bei der Aber-Maschine gebraucht werdet, könntet ihr mir helfen, Wege zu finden, Ideen auszuarbeiten oder mir helfen, Impulse, die von den Gefühlen kommen umzusetzen? 

Aber es gibt niemanden, an den ich mich wenden kann. Okay. Bis jetzt gab es vielleicht niemanden. Du kannst dir jemanden suchen. Mentor:in, Coaches, Therapeut:innen, Gesprächsgruppen, Peer-Groups, andere Workshop-Teilnehmer:innen etc. Aber, die sind doch, die … Okay. Wende dich an dich selbst. Lausche nach innen, schreibe ein Journal, meditiere … 

Die Aber-Erfindungsmaschine ist grandios. So grandios, dass sie auf ein OK stoppt. 

Okay? 

Wir dürfen uns einfach darüber bewusst sein, dass wir sie steuern, wir haben die Kontrolle über die OK Taste. Niemand sonst. Sie reagiert auf unser OK. Immer und gleich. 

OK

Ruhe

Atmen

Danke


*Zu diesem Beitrag inspirierte mich ein Video-Call mit @katharinaheilen
Ein herzliches Danke an der Stelle an Katharina, ihrem Engagement und Empowerment Programm

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»feelingwords sind Mindset-Poesie und gerne Inspiration und Begleitung. Mit meinen Gedanken, Gedichten & der Sternenflaum-Geschichte möchte ich dir zeigen, dass Fühlen wertvoll und ein feiner Kompass durchs Leben ist.« Judith Eherer

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