Kategorie: Die Sternenflaum Geschichte

30. Kapitel | Umarmung im Geiste

„Wir können uns auf mehrere Arten umarmen. Wie bin ich froh, dass ich das schon vor einiger Zeit erkennen durfte! Diese Suche nach Liebe, die Suche nach meinem Leben, die Suche nach mir selbst. Oft fühlte ich mich verloren und alleine. Doch nun werde ich von Sternenflaum und dem Licht auf liebevollste Weise daran erinnert, dass ich schon oft umarmt wurde und auch schon oft umarmt habe – und das nicht nur mit meinen Armen, sondern vielmehr mit dem Herzen. Ganz so, wie eine Umarmung sich im Traum oder in der Erinnerung anfühlt.“

„Ja, wie schön, liebe Fee! Du kannst sogar zurückfühlen.“

„Zurückfühlen. Was für ein Wort, liebster Sternenflaum. Aber ja, es stimmt, ich fühle noch genau wie es war …“

„Wie was war? Magst du es erzählen bitte? So, dass ich es auch fühlen kann?“

„Sehr sehr gerne. Weißt du was? Ich beginne wie in einem Märchen mit ‚Es war einmal‘.“

„Oh … bist du dir da sicher?“

„Wieso? Das klingt doch schön – obwohl, du hast recht, es ist nicht wahr. Denn es war nicht einmal, es ist immer noch, wenngleich auch nur in der Erinnerung.“

Zeit und Raum, weißt du noch?“

„Ja, stimmt, doch ich habe eine Idee:“

Es war einmal und ist noch immer, an einem kleinen, zauberhaften Ort …
Eines Morgens stellte ich den kleinen Tisch der im Zimmer war, direkt vor das Fenster. Ich wollte mich reinsetzen, ja, mitten rein, in diesen Blick aus dem alten Klostergemäuer – diesen Blick in die diese Traumlandschaft. Es war noch etwas kühl und so holte ich mir die Bettdecke und saß dann, eingekuschelt in die dicken Federn, halb auf dem Tisch, halb im Fenster. Theoretisch hätte ich mich nur ins Fenster setzen können, so dick waren die Mauern. Doch ich empfand viel zu viel Respekt vor diesem Haus, als dass ich da einfach meine Beine aus dem Fenster baumeln lassen hätte können.
Es war ein traumhaftes Zimmer in diesem alten Kloster, mit einem Deckengemälde das schon an ein paar Stellen abbröckelte, einem einfachen Bett mit dicken, ganz dicken Kissen, ein schlichter Tisch, ein Stuhl, ein kleiner Schrank, ein Waschbecken (mit kaltem Wasser) und ein etwas trüber Spiegel. Ach ja, ein Sessel stand auch noch darin, der allerdings so altersschwach aussah, dass er wohl nur noch bewundert, nicht aber mehr benutzt werden konnte. Alles in allem war es das schlichteste Hotelzimmer, das ich bis dato bewohnt hatte (ja ich muss Hotelzimmer schreiben, auch wenn ich selber dabei schmunzeln muss, denn ich dachte ja, ich hätte ein Zimmer in einem Hotel gebucht. Erst bei meiner Ankunft wurde ich mit dem Kloster überrascht). Dennoch, so einfach es war, so sauber und liebevoll war es auch. Es hatte den Anschein, als hätten unzählige Hände das Zimmer blitzeblank geputzt und von Herzen für seinen Gast vorbereitet.
Was habe ich dort gut geschlafen! Wann hatte ich mich das letzte Mal so beschützt gefühlt? Und das, obwohl die Zimmertüre nicht wirklich abzuschließen war. Der Schlüssel, nun, wie soll ich sagen, er war groß wie das Kloster selbst und wohl ebenso alt. Die Türe war verzogen, so dass nur ein sehr kräftiger Mann es geschafft hätte, sie abzusperren – was wiederum nicht möglich gewesen wäre, denn in diesem Kloster war kein Zutritt für Männer. Damals war ich noch ein ziemlicher Angsthase und ehrlich, ich hätte mir im Traum nicht vorstellen können, dass ich alleine, in einem Kloster, bei offener Türe, wohlig und glücklich schlafen konnte. Ich genoss diese Reise mit jeder Faser meines Herzens. Ja, und nun, an diesem Morgen, saß ich im Fenster, eingekuschelt in die Decke und blickte in die Landschaft. Ich fühlte eine Ruhe in mir, eine Stille, die zu beschreiben es mir nicht möglich scheint. Es war einfach wundervoll.
Dann kam Sie. Am Abend zuvor hatten wir uns kurz kennen gelernt – wirklich nur kurz. Sie kam ins Zimmer, ich drehte meinen Kopf ein wenig zu ihr, ich sah ihr Gesicht, wunderschön, und ihre Augen, die mich faszinierten, denn sie strahlten Güte, Liebe, Traurigkeit und Ehrgeiz aus. Eine ganz besondere Mischung, wie ich finde. Sie kam zu mir ans Fenster heran und dann passierte es. Es ist genau dieser Augenblick, den ich nie mehr vergessen werde. Sie stand hinter mir und umarmte mich mitsamt der dicken Federdecke. Ich kann nicht sagen wie lange dieser Moment dauerte, eine Minute, nein bestimmt länger, doch waren es fünf oder zwanzig? Es ist unmöglich, dies einzuschätzen. Fühlte ich mich in dem Kloster schon so wohlig und beschützt, so verstärkte sie dies mit ihrer Umarmung. Ich kann auch nicht mehr sagen, ob wir uns unterhielten, ob überhaupt ein Wort fiel, meine Erinnerung ist das Gefühl – dieses Gefühl von Wärme, Schutz und Liebe. Ich kuschelte mich regelrecht darin ein.
Mir steigen Tränen des Glücks und der Dankbarkeit in die Augen, wenn ich an diese Zeit denke. Danke, danke liebe Freundin, dass es dich gibt und danke für die schönen Erinnerungen.

„Sternenflaum, ich habe eine Bitte.“

„Ja gerne, liebste Fee.“

„Magst du zu meiner Freundin und ihrer Familie fliegen? So dass sie das Gefühl bekommen, dass alles gut ist?“

„Wir machen das auch sonst schon, doch wenn du willst, dann machen wir uns extra bemerkbar. Doch Fee, wieso klingst du jetzt traurig?“

„Ich habe sie lange nicht mehr gesehen. Von daher weiß ich nicht, wie oft sie herzhaft lacht. Dass sie es tut, und dass sie es sehr ansteckend tut, das durfte ich erleben. Wenn sie lacht, bebt ihr ganzer Körper, es ist ein Lachen, das direkt aus dem Herzen zu kommen scheint, ihre Augen glitzern dabei wie bei einem kleinen Mädchen, dass sich gerade einen Streich ausdenkt.
Ich wünsche mir für sie, dass sie ganz oft so lachen kann, denn ich weiß, welch schweres Leben sie lebt, wie viel Kraft und Ausdauer es sie kostet, alles zu meistern. Doch sie tut es, sie meistert es, und wie!“

„Es dieses Lachen, das ihr hilft, und wohl auch die Liebe die ihr von so vielen Seiten entgegengebracht wird.“

„Danke Sternenflaum, das bedeutet mir viel. Ich werde mich jetzt noch weiteren Erinnerungsumarmungen widmen, zurückfühlen wie du das nennst.“

„Sehr schön, mach das.“



>>> Fortsetzung folgt

29. Kapitel | Ich suche dich

Bist du mir nah,
meine Seele, meine Liebe?

Darf ich dich fühlen,
mich an dich lehnen?

Mein Licht,
strahlst du mir?

Ich kann dich
nicht sehen,

nicht im Spiegel,
nicht im Traum.

Doch lass mich dich
wahrnehmen,

lass mich spüren,
dass du da bist,

lass mich wissen,
wer ich bin.

Du weißt,
dass ich dich suche,

mich so sehr
nach mir sehne.

Nach mir, meine Liebe,
nach dir, meine Seele.

Wo bist du, mein Ich?
Sei bei mir bitte

und zeig mir
mein Zuhause.

„Allerliebste Fee, deine Worte berühren uns zutiefst.”

„Sternenflaum, Licht – oh ich danke euch! Ein bisschen seid ihr die Antwort auf meine Suche und meine Fragen. Zumindest soviel, dass ich mich gehört fühle.”

„Nun, vor nicht allzu langer Zeit hast du dich auf die Reise gemacht, was sehr bemerkenswert und mutig war und ist. Deine Worte soeben, tief aus deinem Herzen, zeigen, dass du weiter auf diesem Weg gehst. Wir werden dich immer begleiten und für dich da sein. Doch ob du dich noch besser kennenlernen wirst, dich noch klarer finden wirst, können wir nicht versprechen.”

„Mein Licht, das ist schon okay. Ich hab bereits kapiert, dass das alles von mir aus geht und dass ich da selbst die Verantwortung trage. Es ist ein stetiges Looping-Spiel, von dem ich hoffe, dass es mal ruhiger wird, dass ich mal ruhiger werde. Innen. Mit den Ängsten und Fragen und Sorgen und Gedanken und so.”

„Fee, ich freue mich, dass du in deiner Aufzählung die Gefühle nicht erwähnt hast.”

„Flaumi, wie könnte ich! Das ist mein größtes Glück auf dieser Reise, dass ich erkennen durfte, dass mir meine Gefühle nicht im Weg stehen, ganz im Gegenteil. Nur durchs Fühlen kann ich dich und das Licht überhaupt erst wahrnehmen. Nur gefühlt kann ich meine Gedanken abwägen und mich trauen weiterzugehen. Das ist so ein Geschenk!”

„Du bist das Geschenk. Liebe Fee, eines möchte ich dir noch mitgeben, ich bin mir sicher, dass deine Worte von vorhin sich irgendwann zwar gleich anhören, doch völlig anders anfühlen werden. Freu dich darauf, dass Sehnsucht das Herz auch zum Schwingen bringen kann. Freu dich darauf, wenn die Schwere sich in Leichtigkeit wandelt und du uns winkst, weil du nicht mehr überrascht bist, uns bei dir zu haben.”

„Danke von Herzen, liebes Licht. Ich weiß jetzt schon, dass es so sein wird, denn manchmal spüre ich es ja schon. Nur kurz, doch klar und schön. Ich freue mich wirklich darauf, dass ich mich nicht mehr für verrückt halte, mich mit euch auszutauschen und wenn ich nicht mehr erschrecke, wenn ich im Dunkeln die Augen schließe und dann alles ganz hell wird. Aber bitte, du musst zugeben, das ist schon etwas irre.”

„Nun, Liebe darf das sein.”

„Liebe.”

„Ja. Liebe.”



>>> nächstes Kapitel: Umarmung im Geiste

28. Kapitel | Herzatmen

„Wenn ich an dich denke, atmet mein Herz tief. Es weitet sich mit jedem Buchstaben deines Namens …“

So sitze ich nun hier und frage mich, was das alles soll. Was ich hier soll, in diesem Traum der vielleicht doch keiner ist. Diese Reise zu Nara. Ja, ich habe verstanden, dass dies ein Wortspiel meint, dass Nara die Abkürzung für „natürlichster Raum“ ist. Der natürlichste Raum, in mir, wo sonst. Ich in mir, die Reise zu mir. Als wäre ich nicht sowieso immer mit mir. Vielleicht nicht bewusst genug. Sonst wäre das hier ja alles nicht passiert. Wo ist eigentlich Sternenflaum? Hallo? Flaumi?

Liebste Fee, stets in deiner Nähe.

Manchmal ist mir das Unheimlich. Ich sehe dich nicht, nehme dich nicht wahr, doch sobald ich dich vermisse und rufe bist du da.

Du hast die Silbe Un- benutzt. Hast du darüber schon einmal nachgedacht?

Nein, Flaumi, hab ich nicht. Aber ehrlich gesagt, interessiert mich das gerade wenig. Mein Herz weint und ich bin selbst wieder Achterbahn gefahren und es tat mir nicht gut und …

Ich bin da. Du hast es selbst vorhin gesagt, ich bin immer da. Du nimmst mich wahr, sobald du mich rufst.

Ja, stimmt schon. Danke. Doch ach, ich bin traurig und verletzt und verwirrt …

Du wundervolles Wesen, willst du mir dennoch etwas Aufmerksamkeit widmen und zuhören, was ich dir erzählen möchte?

Natürlich, klar. Flaumi, du hast ja schon immer deine eigene Art gehabt, mir etwas Nahe zu bringen. Also erzähl, was meinst du mit der Silbe Un-?

Es heißt, es muss immer erst etwas passieren, damit der Mensch zum Umdenken und ins Handeln kommt. 

Das ist schwer für mich zu akzeptieren. Was wünschte ich es mir, dass schon vor einem Unglück … 

Dabei, schau das Wort U n g l ü c k.

Ja, wir setzen die Silbe un- vor ein gutes Wort, wenn es uns schwerfällt, das totale Gegenteil zu erfassen. Ein bisschen vom Schönen bleibt erhalten, vielleicht dient das der Hoffnung und damit wir es nicht ganz aufgeben. Un-heilbar. Un-gern. Un-möglich.

Es gibt sie nicht, die perfekte, makellose Welt und so wird das un- auch vor Wörter gesetzt, die einem das vor Augen halten. Un-zerstörbar. Un-verwundbar. Un-getrennt. Es hat etwas Ehrliches an sich beide Seiten zu sehen.

Können wir auch beide Seiten leben?

Die Frage stellt sich nicht. Unverwundbar ist nichts auf der Welt. Der Mensch nicht, Körper und Seelen nicht, die Natur nicht und selbst die Maschinen nicht.

Können wir lernen damit umzugehen? Das Herz Heilung atmen lassen? Erinnerungstränen in Liebe fließen lassen? Schmerz nicht zu verdrängen …

Ich möchte mein Herz achten und dankbar sein. 

Du weißt, Sternenflaum, manchmal wird es ganz groß und es schlägt so wild, dass es mir schon Angst macht. Schrei, höre ich es in mir drin. Schrei endlich! Doch so wenig wie ich darauf höre, so wenig hören es die anderen. Was immer im Herzen und in der Seele passiert, es ist in mir.

Wenn ein Unglück passierte, dann kommen die Fragen. Die Un-sicherheit. Wir fragen, ob wir uns hätten anders verhalten können. Dabei ist es schon im Wort. Wir wissen sicher, dass dem nicht so ist. In einem Buch von Peter Lauster heißt es, dass die wenigsten Menschen psychisch gesund sind. Wir lernen nichts darüber und wachsen doch damit auf. Das Gute daran ist, dass wir dadurch Empathie empfinden können.

Ist gelebte Empathie das bessere Verstanden werden? 

Nach einem Unglück drückt sie sich in Trost aus und in Beileid. Doch pass auf, achte auf dein Herz, atme in dein Herz und frage es, frage dich in deinem Inneren, ob das für dich stimmt.

Mein Herz weitet sich. Atmet die Erinnerung, den Schmerz, die Trauer und auch die Liebe.

Dieses Kapitel ist Onkel Hansi und seiner Familie gewidmet. – Ju., im Nov. 2019

Nächstes Kapitel: Ich suche dich



27. Kapitel | Achterbahnfahren

Liebste Fee, seit einiger Zeit schaue ich dir nun gebannt und interessiert zu. Deine letzten Worte, die du mehr gesungen und getanzt als gesprochen hast, klingen noch in meinem Kopf und in meinem Herzen. Eine wahre Freude!

Flaumi! Du bist da. Danke. Ja, ich fühlte mich großartig! Voller Leben und Energie und allem einfach! So wundervoll!

Fühltest?

Ja, in mir ist es wie bei dir, in der Erinnerung ein Traum.

Kann ich etwas für dich tun?

Hast du schon! Du bist da.

Erzählst du mir, was dich bewegt?

Es ist, als wäre ich in der schönsten Achterbahnfahrt der Welt dabei gewesen und anstatt es weiter zu genießen, bin ich wieder ausgestiegen. Jetzt schaue ich anderen zu. So als wäre es nicht okay, ständig zu fahren, ständig auf und nieder zu erleben und Loopings und Bauchkribbeln und alles das. So als wäre ich feige geworden und schau nur noch vom Rand aus zu.

Vielleicht schwirrt dir auch nur der Kopf und du machst eine Rast.

Echt jetzt? Das meinst du?

Klar. Du liebst das Achterbahnfahren. In echt und als Metapher für dein Leben. Eine Pause ist doch voll okay.

Stimmt. Stimmt!

Dann geht’s jetzt wieder los?

Ja Flaumi! Und wie!

Ist es nicht Glück,
von Fremden ein
Lächeln zu bekommen?


Ist es nicht Glück,
von Unbekannten
Lob zu hören?


Ist es nicht Glück,
mit Freunden die
Sonne zu genießen?


Ist es nicht Glück,
wenn Menschen sich freuen,
dass es dich gibt?


Ist es nicht Glück,
wenn du Worte bekommst,
die dich lieb umarmen?


Ist es nicht Glück,
Herzen zu berühren
die du nicht mal kennst?


Ist es nicht Glück?
Doch, ist es!

Nächstes Kapitel: Herzatmen



26. Kapitel | Schönes

SCHÖNES

Wenn einem nur Schönes begegnet
So schön
Dass das Herz förmlich hüpft
So schön
Dass das Herz mehr als lacht

Dann fühlt man das Glück
Im Inneren
Es verdrängt die Traurigkeit
Im Inneren
Es verdrängt die Unwahrheit

Wenn sie nach draußen will
Die Angst
Wird sie zurückgehalten
Die Angst
Wird sie als Illusion entlarvt

Dann bäumt sie sich auf
Wider dem Glück
Ist hilflos gegen den Mut
Wider dem Glück
Ist hilflos gegen die Liebe

Wenn Freude dich durchdringt
Als Sieger
stehst du über deinen Sorgen
Als Sieger
Stehst du in der Sonne und lachst

Nächstes Kapitel: Achterbahnfahren



25. Kapitel | Loslassen

Loslassen vom Thema
Abschied nehmen von der Angst
Sich befreien von alter Last

Wenige Worte sind es
Die einem den Atem
Schwer werden lassen

Wenige Worte sind es
Die einen erinnern
An Wunden und Narben

Blockaden lösen
Aus dem Schatten treten
Nach vorne sehen

Noch weniger Worte
Bedarf es
Um sich abzuwenden

Noch weniger Worte
Braucht es
Um sich bewusst zu werden

Dass man nur wegläuft
Nur zusieht
Nur abwartet

Ich
Dass ich nur verdränge
Dass ich Angst habe

Angst vor Veränderung


„Liebe Fee, Feodora! Wir sind da! Du bist so klug und zart und stark! Schau, wie weit du schon gekommen bist, was du alles erkannt hast!“

„Sternenflaum, Licht, ja, ich weiß und ich danke euch! Doch, wenn ihr nichts dagegen habt, möchte ich dieses Loslassen-Thema gerne loslassen. Es ist wie ein Bild welches mir nicht gefällt, ich aber dennoch gebannt darauf starre. Es ist Zeit, mich wieder dem Schönen zu widmen. Der Freude!“

„Nichts lieber als das! Da sind wir dabei!“



24. Kapitel | Schatten verstehen

„Sternenflaum, bitte, bist du da? Das ganze Thema mit Licht und Schatten beschäftigt mich mehr als mir lieb ist. Es kommt mir vor, als würde ich dabei über die Welt an sich nachdenken. Das ist mir echt zu groß!“

„Liebste Fee, das Thema um Licht und Schatten beschäftigt die Welt wohl seit Anbeginn. Wenn du erlaubst, betrachten wir es aus der jetzigen Sicht, aus deiner jetzigen Perspektive und Wahrnehmung.“

„Ja, okay, danke. Das klingt besser.“

„Bitte, Fee, erwarte aus unseren Gesprächen und auch aus deinen Überlegungen keine Endlösung oder gar die perfekte Antwort. Beides kann es, bei genauerer Betrachtung, nicht geben.“

Leben ist lebendig

ist in Bewegung

ist ohne Ende

„Dann ist Perfektionismus also an sich gar nicht möglich?“

„Für den Moment schon.“

„Doch im nächsten kann schon wieder alles anders sein, etwas noch besseres auftauchen …“

„Genau. Du befreist dich von dem Drang etwas perfekt machen zu wollen, wenn du einsiehst, dass dies immer nur eine Momentaufnahme ist.“

„Flaumi, somit hat sich schonmal ein Schatten erledigt.“

„Wie meinst du das?“

„Wenn ich etwas nicht perfekt genug hinbekommen habe, wanderte dies direkt in den Schattenbereich.“

„Interessant.“

„Ja, wow, das finde ich auch gerade!“

„Fee, wie weißt du eigentlich, wann du etwas nicht perfekt genug gemacht hast?“

„Wenn der Applaus fehlt. Also, ich meine, nicht klatschen oder so, mehr im übertragenen Sinn. Wenn also das, was ich mache, nicht auf positive Resonanz stößt.“

„Dann machst du das, was du machst also nur für andere?“

„Nein! Flaumi! Ach … na toll. Plitschplatsch in den Schatten.“

„Schatten ist gut für einen kühlen Kopf!“

„Flaumi! Bitte!“

„Ist ja gut. Pause?“

„Hmmmmm …“

„Sternenflaum! Hallo?!“

„Liebste Fee, willst du in diesem Fall auch mit mir Vorlieb nehmen?“

„Licht! Oh, ja natürlich. Ich meine, wer wäre besser geeignet für ein Gespräch über Licht und Schatten …“

„Jede und jeder im Grunde. Doch ich merke, wie sehr dich das Thema beschäftigt. Du versuchst zu kategorisieren, weil du nicht werten willst. Gleichzeitig findest du zu wenig Übereinstimmungen ebenso wie zu viele Widersprüche. Es ist nicht verwunderlich, dass du verwirrt bist.“

„Danke.“

„Gerne. Feodora, sag mir, hast du während einer Meditation schon einmal Schatten gefühlt oder besser gesagt, dass, was du darunter verstehst?“

„Nein. Doch das ist auch etwas was mich beschäftigt. Wenn doch Licht und Schatten zusammengehören, warum fehlt dann ein Teil während einer Medi?“

„Weil du sie vorher getrennt hast.“

„Ich?“

„Nicht nur du allein. Bitte, versuche zu fühlen.“

„Okay. Ich bin ganz ruhig.“

„Das fällt dir gerade überraschend leicht?“

„Stimmt. Das waren gerade meine Gedanken.“

„Möchtest du jetzt einen Schatten hervorholen?“

„Sicher nicht!“

„Trau dich und schau hinter dich. Du wirst einen Schatten sehen.“

„Bitte, bring mich nicht zum Weinen!“

„Schau, liebste Fee, schau hin. Schau wie das Licht den Schatten durchdringt! Schau, wie beide aus denselben Farben bestehen! Deine Traurigkeit, deine Angst, deine schmerzvollen Erinnerungen – natürlich weichst du dem aus, doch schau, wie Hoffnung erwächst, wie sich innerer Frieden ausbreitet, wenn du der Angst mutig begegnest! Schau, wie dich deine Erinnerungen schützen und deine Traurigkeit dich mit lieben Menschen verbindet. Ist diese Kraft schwächer als das Licht?“

„Nein, überhaupt nicht! Ich …“

„Ganz ruhig. Bleib bei dir, atme so entspannt wie möglich und lass dir Zeit.“

„Ja … Danke! … Ich …“

„Psst … Atme …“



23. Kapitel | Licht & Schatten

„Ich leb ja! Doch, lieber Sternenflaum, deine Fragen vorhin haben mir ganz schön zugesetzt. Ist es wirklich so, dass ich nicht richtig lebe, wenn ich mich zurückziehe? Mal nachdenklich bin oder traurig?“

„Natürlich nicht, liebste Fee! Die Fragen dienen dazu, dass du von dort auch wieder zurückkommst, wieder aufstehst und das Leben aktiv lebst.“

„Danke, Flaumi, hat ja geholfen. Ich möchte gerne mit dir etwas besprechen, was mir dazu nicht aus dem Sinn geht:

LICHT UND SCHATTEN

Wenn ich das höre, verbinde ich es mit Glück und Traurigkeit. Wie Antonyme. Das Licht, das Glück, die Heiterkeit und Lebensfreude. Der Schatten, die Traurigkeit, die Sorgen und Schmerz. Das eine kann ohne das andere nicht existieren, heißt es.“

„Ohne Lichtquelle gibt es keinen Schatten.“

„Wenn Glück Licht ist und Traurigkeit Schatten, dann stimmt es für mich nicht mehr richtig. Denn das hieße ja, wo Traurigkeit ist, ist auch Glück da, es bringt sie sogar hervor! Eine verwirrende Vorstellung. Denn wer schon einmal richtig traurig war, der weiß, dass solche Vergleiche einem nicht wirklich weiterhelfen. Da ist kein Glück, nicht mal ein kleines. Und andersherum, wenn man so richtig glücklich ist, wenn man die Welt umarmen könnte vor Freude! Wenn das Herz in einem springt, die Sonne in einem lacht, wenn alles nur noch wunderschön ist, … wo ist dann der Schatten, bzw. die Traurigkeit? Nicht da, definitiv nicht da.“

„Nicht in deiner Wahrnehmung.“

„Stimmt. In meiner Wahrnehmung möchte ich Schatten nicht mehr als etwas Negatives haben. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. In einem Buch las ich vor kurzem: „Zwei Schwestern, Licht und Schatten, eine Nähe die keine Worte braucht.“ Da wurde Licht für Fröhlichkeit und Schatten für Nachdenklichkeit benutzt. Und wieder heißt es, nicht eines ohne das andere. Ich verstehe es nicht.“

„Du magst es vor allem nicht, wenn Nachdenklichkeit als etwas Negatives dargestellt wird, nicht wahr?“

„Flaumi, ich habe das Gefühl, wenn ich für andere nachdenklich bin, ich in Wirklichkeit ganz nah bei mir selbst bin. Ich denke nicht nur nach, ich fühle nach. Tief und still und gründlich.“

„Da hast du vielen etwas voraus. Lass dich bitte von dir nicht abbringen. Auch nicht von mir! Ich locke dich, ja, denn du möchtest viel erfahren und dich besser kennen lernen.“

„Danke Sternenflaum, wirklich! Es ist nur so seltsam, den aufs erste Hören hin, weiß ich genau was gemeint ist, wenn Menschen oder Situationen mit Licht und Schatten beschrieben werden. Nur dann, wenn ich genauer darüber nachdenke, dann erschließt sich mir der Sinn doch nicht.“

„Du machst das bisher ganz richtig. Mit dem Herzen denken. Versuche es nochmal.“

„Ich will nicht so banal darüber denken, wie, selbst im größten Glück kann mal was passieren, auf den Regen folgt Sonnenschein und umgekehrt, oder aus jedem Loch kommt man wieder raus, wenn man nur will. Ja was will? Das Licht sehen? Sicher. Ich stelle mir gerade ein tiefes, dunkles Loch vor, eine traurige, weinende Seele. Sie sucht das Licht, die Seele will wieder lachen. Aber was bringt es, wenn man ganz unten sitzt, und oben sieht man, dass die Sonne scheint? Soll man heiter rufen, ah die Sonne, das Licht! Jetzt ist wieder alles gut? Was, wenn die Sonne blendet und man den Kopf abwendet? Wieder Schatten.“

„Stell dir einen wundervollen Tag am Meer vor. Herrlicher Sonnenschein, warmer Strand, kühles Meer, ein Traumtag, eine Seele die lacht und liebt. So schön, so wunderschön. Am Strand stehen Palmen, sie spenden Schatten. Gut tut das. Ein bisschen Pause machen, sich unter die Palme in den Schatten legen, das Leben genießen … Wo ist das Problem? Es gibt keines. Nicht einmal der Schatten vermag das Glück zu stören. Und du willst jetzt auch nicht hören, dass jeder schöne Tag mal zu Ende geht, oder wer weiß, vielleicht regnet es morgen, oder man streitet abends über irgendwas. Oder: aus jedem Traum wacht man mal auf.“

„Nein, Flaumi! Kann es auch NUR Licht geben? Muss wirklich immer Schatten folgen? Selbst wenn, dann bitte wie bei den Palmen am Meer.
Schatten integriert und genutzt.“

„Die Sterne werfen keinen Schatten.“

„Oh.“

„Das ist jetzt seltsam, es klingt traurig. Du wolltest doch NUR Licht …“

„Änderung. Ich nehm den Schatten mit. Die armen Sterne. Das wäre ja wie, wenn ich als lichtvoller Mensch keinen Schatten werfen würde … so als hätte mein Leben und Tun keine Auswirkung. Dabei kann sich ja auch jemand in meinem Schatten kühlen und erholen (nur so als Palme gedacht), wenn ich jemandem helfe zum Beispiel. Dabei klingt das jetzt ziemlich arrogant. Flaumi, ich komme da gerade nicht weiter.“

„Nimm dir Zeit, das kennst du ja schon. Wir sprechen bald weiter.“



22. Kapitel | Ich frage dich

Liebste Fee, du hast dich zurückgezogen, wirkst nachdenklich. Wir lassen dich in Ruhe, doch lassen dich auch wissen, dass du nicht alleine bist. Wann immer dir danach ist, komm zurück zu uns und erzähle. Was dich bewegt, was dir am Herzen liegt, wir hören zu.

Kannst du beschreiben,
wie es dir geht?
Kannst du mir zeigen,
wie du dich fühlst?


Kannst du begreifen
was los ist, mit dir?
Kannst du erklären
was passiert mit dir hier?


Kannst du mir sagen,
warum du dich quälst?
Kannst du erklären,
warum es dich schmerzt?


Kannst du hinsehen
und annehmen was ist?
Kannst du Ja rufen
und lieben, dein Ich?


Kannst du verzeihen
die Verletzung von einst?
Kannst du nach vorn' schauen
die Träume im Blick?


Kannst du mal still sein
und horchen in dich?
Kannst du mal laut sein
und schreien was geht?


Kannst du endlich mal leben
und wollen das Glück?
Kannst du frei sein
und lachen und umarmen die Welt?


Kannst du vertrauen
dem Ungewissen und dir?
Kannst du entgegenstehn
dem Anklagen hier?


Dann steh auf und sag
– Ich leb!


21. Kapitel | Seelenfreunde

Einfach nur da sein.

In diesem Moment.

Innehalten.

Umarmen.

Fühlen.

Halt geben.

Halt spüren.

Fallen lassen – sich, die Gedanken, die Sorgen …

Niemand ist alleine, ich nicht, du nicht.

In diesem Moment verbinden uns die Worte.

Über die Augen, die Ohren, in den Geist, ins Herz.

Pure Energie, übers Universum hinaus, Kilometer weit.

Gefühle fliegen in die Seelen.

Im Inneren fühlen wir diese Nähe.

Tränen fließen.

Fließen wie ein kleiner Bach im Licht.

Es ist gut.

Tränen waschen uns von innen rein.

Um wieder klar sehen zu können.

Uns von innen sehen.

Innen sehen wie wir fühlen, innen sehen, wie wir gefühlt werden.

Seelenfreunde.

Ja, das sind wir in diesem Moment.

Es ist schön, wenn sich Seelen umarmen.

Lass sie zu, diese Nähe, diese unerklärliche Vertrautheit.

Frag nicht, nicht jetzt.

Ich bin da und du bist da, in diesem Moment.